Die 10 Geheimnisse des Glücks (9)

Das 9. Geheimnis des Glücks ist die Kraft der Beziehungen

Der Dichter Lord Byron bringt es in einem einfachen Satz auf den Punkt: „Alle, die Freude erlangen, müssen sie teilen, denn Glück ist ein Zwilling“.

Menschen sind soziale Wesen, das Leben in gemeinschaftlichen Strukturen ist so alt, wie die Menschheit selbst. Wir brauchen den Kontakt zu anderen, das Gespräch mit ihnen, wir benötigen das Gefühl, gewollt, angenommen und gebraucht zu werden.

Soziale Bindung ist also ein Grundbedürfnis, soziale Kompetenz jedoch ist gelernt und die Basis wird hier schon in sehr jungen Jahren gelegt.

Früher war sicher nicht alles besser, manches jedoch war anders und unserem Zusammenleben möglicherweise zuträglicher. So lebten Menschen in größeren, familiären Strukturen mit mehreren Generationen, die wiederum in größere, aber überschaubare Gemeinschaften eingebunden waren. Von früh an lernten Kinder hier an ihren Vorbildern die Kernkompetenzen der emotionalen Intelligenz, Empathie- und Kommunikationsfähigkeit, soziale Fürsorge, die Übernahme von Verantwortung für Schwächere, Respekt und Akzeptanz. Leben in der Gemeinschaft brachte mit sich, dass man sich zuweilen unterordnen musste, aber es gab den Menschen auch ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

Im Lauf der Zeit änderten sich das Leben und die Prioritäten und so wich der Gemeinschaftssinn dem individualistischen Egoismus. Das „ICH“ rückte in den Vordergrund.

Über viele Generationen verstand man, beides noch miteinander in eine gewisse Balance zu bringen, also nicht ein entweder – oder, sondern ein sowohl als auch zu leben.

In unserer sehr modernen, materialistischen Welt jedoch sind viele der sozialen Kompetenzen verloren gegangen. Nicht bei jedem Menschen, aber doch bei einer erheblichen Anzahl. Das „ICH“, also das Individuum ist soweit in den Vordergrund gerückt, dass oft für ein „WIR“ kein Platz mehr ist. Und interessanter Weise schrumpft die Kompetenz des Miteinanders, umso größer die „Masse“ der Menschen wird. So haben wir heute in Mega-Metropolen eine nicht mehr zählbare Anzahl von alleinstehenden, einsamen Menschen und es gibt schon erste Länder, die ein Ministerium gegen Einsamkeit in die Regierungsarbeit aufnehmen. Ist das nicht traurig?

Das soll nun nicht bedeuten, dass wir wieder zur Rotte, zum Stamm oder zur Dorfgemeinschaft zurückkehren müssen, um glücklich zu sein. Allerdings schaue ich doch manchmal besorgt auf die Kinder und Jugendlichen unserer Zeit, deren Kommunikationsfähigkeit sich auf ein kleines Gerät in der Hand reduziert und die gewisse, wichtige menschliche Ebenen nicht mehr lernen zu erfassen und zu nutzen, weil sie es nicht gelernt haben. Körpersprachliche Signale zum Beispiel, die immerhin 55% unserer zwischenmenschlichen Interaktion ausmachen, sind an einem Handy nicht lernbar. Stimmlage, 38% unserer Kommunikation in überwiegend schriftlichen Kontakten auch nicht. Verbleiben 7% Worte, die auch noch in der eigenen Stimmung interpretiert werden.

Auch das ein Kleinkind, dessen Mutter eine Geschichte vorliest, seinen Wortschatz erheblich ausweitet, dies aber nicht tut, wenn die Geschichte aus einem MP3-Player kommt, weil das Gehirn Emotionen braucht, um lernen zu können, wissen leider immer weniger Eltern.

Der Mensch braucht Menschen – oder zumindest einen um seine Grundbedürfnisse zu befriedigen, wie z.B. das Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe, das Bedürfnis nach Geborgenheit und Nähe, das Bedürfnis nach kommunikativem Austausch.

Vermutlich kennst Du den Spruch: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freud ist doppelte Freud.
Es sagt nichts anderes, als wir alle schon erfahren haben: Wenn man mit einem vertrauen Menschen über die eigenen Sorgen spricht, mindert sich dir gefühlte Last. Wenn man mit einem nahe stehenden, geliebten Menschen eine schöne Erfahrung macht, wird das Erlebte noch viel schöner. Der Sonnenuntergang am Meer ist schön, aber ihn gemeinsam mit jemand genießen ist etwas ganz anderes.

Nun gab es zu allen Zeiten Menschen, die ein Einsiedlerleben bevorzugten. Sie wurden vielleicht als sonderbar angesehen, denn sie waren ehr selten. Heute führen sehr viele Menschen ein Einsiedlerdasein – mitten unter anderen.

Wer aus freier Entscheidung und tiefstem Herzen gerne nur für sich ist, der sollte das auch weiter so halten und sich nicht um die Urteile anderer scheren.  Allein sein ist nicht gleichzusetzen mit Einsamkeit.
Wer aber aus einem  Gefühl der Unsicherheit, der Versagensangst, der Sprachlosigkeit lebt, wie ein Eremit, der sollte wissen: Das kann man ändern, niemand sollte gegen seinen ehrliche Wunsch alleine und damit einsam leben!

Hier eine erste kleine Übung, die vielleicht Dir vielleicht hilft, Kontakte aufzubauen:

Schritt 1.:
Überlege zunächst einmal, welche Menschen Dich mehr ansprechen:
Jemand, der Dir in die Augen schaut, oder jemand, der Blickkontakt meidet?
Jemand, der Dir fest die Hand drückt, oder jemand, der einen laschen Händedruck hat?
Jemand, der nur über sich redet, oder jemand, der auch an Dir Interesse zeigt?
Jemand, der Dich freundlich anlächelt oder jemand, der Dich fixiert und mit Blicken durchlöchert und keine freundliche Regung zeigt?
Jemand, der aufmerksam ist und Dir zuhört, oder jemand, der nur in seiner eigenen Welt lebt und nicht einmal hört, wenn Du etwas sagst?

Ok, das war einfach, oder? 😉

Schritt 2.:
Überlege einmal sehr ehrlich, wie Du wohl draußen auftrittst, wenn Du unterwegs bist – erfüllst Du deine eigenen Kriterien? Erinnere Dich, als Du zuletzt auf Menschen gestoßen bist, ob im Beruf oder in der Freizeit, ob zuhause oder im Café!
Stell Dir vor, Du bist jetzt gerade wieder dort. Erinnere Dich genau. Schau die Szene zunächst aus Deinen eigenen Augen an, so, wie sie sich abgespielt hat.
Nun wechsele die Perspektive und schau Dich von außen an. Wie nehmen Dich die Menschen wahr, wie wirkst Du auf sie?

Hierbei sollten wir immer bedenken: Was man aussendet, kommt zurück. Schaust Du grimmig drein, schauen andere grimmig zurück. Das machen unsere Spiegelneuronen ganz automatisch! Andersrum jedoch auch! Lächelst Du in die Welt, lächelt die Welt zurück.

Schritt 3.:
Nimm die gewonnenen Erkenntnisse und geh einfach mal in den Supermarkt. Begegne den Menschen offen und zugewandt. Behandle sie so, wie Du behandelt werden möchtest. Oder, noch besser: Behandle sie so,  wie sich Dich im allerbeste Falle behandeln könnten!

Plötzlich verändert sich vieles – vermutlich nicht alles, aber lass Dich nicht entmutigen. Bleib einfach dran. Ja, es gibt sie, diese Dauerknurrigen. Denk Dir, sie dürfen so sein – jeder nach seiner eigenen Fasson. Das gehört zur Akzeptanz dazu – nicht jeder Mensch ist, wie ich oder Du ihn sich wünschst – das ist auch nicht seine Aufgabe!

Und noch ein hilfreicher Hinweis:
Behandle jeden Menschen, als würdest Du ihn nie wieder sehen.

Ok, wirst Du jetzt vielleicht denken, bei manchem Zeitgenossen nicht die schlechteste Vorstellung ;-), darum, sei achtsam:
Wie würdest Du dich von Dir nahe stehenden Menschen verabschieden, wenn Du wüsstest, Du siehst sie nie mehr? Ohne Umarmung oder Kuss?
Würdest Du dich mitten in einer Auseinandersetzung aus dem Staub machen, wenn…
Würdest Du ihn gehen lassen, ohne ihm zu sagen, was er Dir bedeutet?
Oder würdest Du den Groll des Augenblicks oder die Hektik des Moments beiseite schieben und ihn liebevoll verabschieden?

 

 

Das 9. Gesetz des Glücks

Niemand ist eine Insel – wir Menschen sind soziale Wesen
Feste Beziehungen machen schwere Zeiten leichter und gute Zeiten besser
Behandle Menschen, wie Du dir im besten Fall wünschst, von ihnen behandelt zu werden
Jeder Mensch ist einzigartig – und anders! Zolle denen, die anders sind als Du sie Dir wünschst den Respekt als Mensch – und akzeptiere die Unterschiede
Behandle jeden Menschen, den Du triffst, so, als würdest Du ihn niemals wiedersehen.

 

 

 

 

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